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Lotti Abraham-Levy

Ehrengast

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Lottie Abraham-Levy – Ehrengast bei der Nacht der Jugend 2004 in Bremen.
Am 3. Mai 1939 kann die 16jährige Charlotte Abraham mit Hilfe der jüdischen Kinderemigration aus Bremen nach London flüchten.
Ihre Eltern warten auf die amerikanische Einwanderungserlaubnis. Sie kommt zu spät. Die Mutter, Else Goldstein-Abraham, 54 Jahre alt, und der Vater Max Abraham, 67 Jahre alt, werden am 18. November 1941 nach Minsk deportiert und dort ermordet.

Lotti besuchte die Michaelis-Schule und kam dann auf das Lyzeum für Mädchen an der Kleinen Helle. Im April 1937 muss die 14jährige das Gymnasium verlassen. Ende April 1937 beginnt sie eine Lehre in der Uhrengroßhandlung Max Meyer in der Sögestraße. Sie besucht die Handelsschule an der Union, eine Berufsschule für Großhandel. Im November 1938 wird jüdischen Lehrlingen der Unterricht an Handelsschulen verboten. Ende 1938 wird die Firma Meyer „arisiert „ und Lotti muss ihre Lehre abbrechen.
Seit der Reichspogromnacht ist die Familie Abraham auf das Schlimmste gefaßt.

Eine von vielen bedrückenden Erfahrungen Lottis in der Zeit zwischen 1933 und 1939: Ihre Klasse besucht 1936 das Bremer Rathaus. Lotti darf nicht mit herein. Sie muss draußen warten, bis die anderen zurückkehren.

Der „November“ ist ein entscheidendes Wort in den Erinnerungen Lottis, und dies gilt grundsätzlich für die Geschichte der Juden in Deutschland. Gemeint ist Nacht vom 9.auf den 10. November 1938, die Pogromnacht. Bis dahin, so Lotti, dachten ihre Eltern, sie könnten alles durchstehen. Der November bedeutete die Wende.

Am Morgen des 10. November, es ist ein Donnerstag, wird die Familie Abraham in ihrem Haus in der Bornstraße 31 verhaftet und in die Mißlerhallen getrieben.
Lotti: „Ich glaube, es war früh im Morgengrauen. Sie polterten an die Türen und holten uns aus den Betten. Unsere Mieter erklärten, dass sie Deutsche seien. Wir wurden mitgenommen. Später berichtete unsere Hausangestellte, sie habe unseren Hausrat vor habgierigen Nachbarn schützen müssen, die Leute hätten vorgebracht, die Juden würden ja doch nicht wiederkommen.“

Lottis Vater wurde am 11. November zusammen mit der Mehrheit der gefangenen Männer und Jungen aus Bremen in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Nach etwa 6 Wochen kehrte er zurück.
Lotti: Er war abgemagert und schmutzig, bedeckt mit Blutergüssen und offenen Wunden. Mühsam konnte er sich auf den Beinen halten. Er war sehr erschöpft. Es war absolut beklemmend und einschüchternd. Er brachte kaum ein Wort heraus. Ich fragte nichts. Mehrfach warnte mich meine Mutter: frage nichts, lass ihn zu sich kommen. Abwesend saß er am Tisch, den Kopf in die Hände vergraben, mitunter schüttelte er sich plötzlich. Wochenlang war mein Vater kaum ansprechbar.

Nach der Rückkehr von Lottis Vater aus dem Konzentrationslager tun die Eltern alles, um in die USA auswandern zu können. Als Lotti im Mai 1939 mit etwa 50 anderen Kindern nach England fahren kann, hoffen sie, sich bald in den USA wiederzufinden. In den Briefen an ihre Tochter spiegelt sich ihre verzweifelte Hoffnung.

Vater Max, der der letzte Seelsorger der jüdischen Gemeinde ist, schreibt im November 1939 an Lotti: „Wir hoffen, dass unsere Emigration in einigen Monaten möglich sein wird.“

Am 27. Dezember 1939 schreibt die Mutter: „Vorigen Mittwoch war ich in Hamburg auf dem Konsulat. Mit dem Erfolg, dass ich dann auf der Straße geheult habe. So ein Ekel hat mich abgefertigt. Da war es letztes Jahr mit dir doch schöner…Nah, keine Bange, je mehr Ärger wir vorher haben, desto schöner wird es dann, wenn wir wieder zusammen sind. Nicht wahr??“

Im Midrasch ( die rabbinische Auslegung der Bibel) wird erzählt, Gott habe, als er die Leiden seiner unter alle Völker zerstreuten Kinder erblickte, zwei Tränen vergossen, die in den Ozean fielen. Die Tränen machten einen solchen Lärm, dass man es vom einen Ende der Welt bis zum anderen hören konnte.
Wir können uns die Ohren zuhalten. Doch wir können sie auch öffnen, um zu hören und dann zu handeln.

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