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Herman Singer

Ehrengast

Singer

Herman Singer – nach Polen deportiert, nach Schweden emigriert

Anlässlich der Nacht der Jugend kommt Herman Singer in die Stadt, aus der er 1938 vertrieben wurde. Denn heutzutage ist er in Stockholm zu Hause.

Grußwort:
„Ich freue mich sehr, bei der NACHT DER JUGEND dabei zu sein und an den Diskussionen teilzunehmen.

Eine Zukunft in friedlichem Zusammenleben und kommendem Wohlstand war unsere Hoffnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwar kam der wirtschaftliche Aufschwung in den folgenden Jahrzehnten, aber auch die Spannungen zwischen den Großmächten.

Erst mit dem Fall der Mauer 1989 wuchs unsere Überzeugung, dass Demokratie, Integrität und Frieden die Zukunft der Menschheit sind. Doch leider waren auch die neunziger Jahre geprägt von Terror und Völkermord, und heute leben wir mit dem bitteren Gefühl, wir könnten persönlich Opfer eines Anschlags werden.

Gerade deshalb ist die Erinnerung an die sogenannte Kristallnacht ein Blick zurück auf Alles, was wir verabscheuen. Wollen wir in Zukunft ohne Terror und Völkermord leben, muss der Respekt für Frieden, Demokratie, Integrität und Gleichberechtigung das Ziel der gesamten Menschheit sein.“

Seit dem 5. Oktober 2006 erinnern Gedenksteine in Sebaldsbrück (ehemals Sebaldsbrücker Heerstraße 89) an seine Eltern Abraham und Anna Singer, die zusammen mit ihrem Sohn Hermann (heute Herman) am 28. Oktober 1938 nach Polen ausgewiesen wurden. Während es dem Sohn später gelang, von dort aus nach Schweden zu fliehen, blieben die Eltern in Polen und wurden Opfer der Shoah. (Holocaust)

Abraham und Anna Singer – beide gebürtig in Polen – waren seit 1901 verheiratet und hatten zwei Kinder, als sie 1910 nach Bremen kamen. Dort erblickten weitere sechs Kinder das Licht der Welt. Drei ihrer insgesamt acht Kinder wurden mit ihren späteren Familien ebenfalls Opfer der Shoah. Zum Schicksal der Geschwister schreibt Herman Singer: “Soweit mir bekannt, wurden sowohl Bertha als auch Fanny mit ihren Familien in das Warschauer Ghetto abgeschoben. Leider haben weder ich noch meine überlebenden Geschwister Angaben über die weitere Entwicklung, doch vermuten wir den weiteren Transport in ein Lager. Mein Bruder Samuel lebte seit Anfang der dreißiger Jahre in Krakau. Persönlich habe ich ihn dort getroffen, vor meiner Flucht nach Schweden.“ Vermutlich endete auch sein Lebensweg in einem Lager.

Im Haus Sebaldsbrücker Heerstraße 89 wohnte Familie Singer ab 1911 in guter Nachbarschaft, die abrupt endete, als Abraham, Anna und Hermann Singer am 28.10.1938 abgeschoben wurden. Am 1.11.1938 versiegelte die Bremer Kriminalpolizei die Wohnung. Von Polen aus beauftragte Abraham Singer seine Tochter Chaja, die mit ihrer Familie in Hannover wohnte, die Bremer Wohnung und das Warenlager aufzulösen.

Abraham Singer war von Beruf Kaufmann und hatte mit unedlen Metallen gehandelt. Am 28.11.1938 entsiegelte die Kripo die Wohnung, doch der Tochter gelang es in der Eile nicht, die Möbel zu verkaufen, und die Metalle wurden beschlagnahmt. Aus der Nachbarschaft, aus Sebaldsbrück, aus Bremen waren die Singers danach verschwunden – so war es gewollt. Nur fünf Jahre später – im Jahr 1943 – galt ganz Deutschland als „judenrein“.

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