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Ehrengast: Moshe Martin Bialystock

Ehrengast

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Grußwort von Moshe Martin Bialystock

„Ich möchte mich für die Einladung zur „Nacht der Jugend“ in Bremen herzlichst bedanken.

Meine Kindheit und einen großen Teil meiner Jugend habe ich in Bremen verbracht.

Geboren bin ich 1923 in Hannover. Meine Eltern besaßen in Bremen am Brill ein Haus mit einem gut gehenden Herrenkonfektionsgeschäft. Wir wohnten in der ersten Etage. Ich bin zusammen mit meiner Schwester Miriam, die 1929 geboren wurde, in einer gutbürgerlichen Familie, die ihren jüdischen Glauben pflegte, behütet aufgewachsen. Viele unserer Verwandten lebten ebenfalls in Bremen, meine Großeltern in der Faulenstraße. Seit der Machtergreifung der Nazis war unser Leben von Diskriminierung und Schikane überschattet und es wurde für uns alle immer unerträglicher.

Nach den schrecklichen Ereignissen im November 1938 ist die Familie getrennt illegal nach Holland geflohen, meine Schwester und ich unter schwierigsten Bedingungen.  Ich blieb in Holland und wanderte kurz vor dem Einmarsch der Deutschen nach Palästina aus. Meine Eltern und meine Schwester, die sich in Belgien aufhielten, warteten vergeblich auf ein Visum nach Amerika. Sie wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet. Diese Ereignisse haben mich mein ganzes Leben lang nicht losgelassen.

Von Palästina aus habe ich mich, wie so viele meiner jüdischen Kameraden, den englischen Truppen angeschlossen, denn wir hofften im Kampf gegen Nazi-Deutschland unsere in Europa zurückgelassenen Angehörigen retten zu können. Nach dem Krieg lernte ich meine Frau kennen, eine Überlebende aus Auschwitz. Mein Leben und das meiner Frau ist durch Verfolgung und die Shoah gezeichnet. Ich habe mich mit dieser entsetzlichen Zeit beschäftigt – Bücher gelesen, Filme gesehen und an Diskussionen teilgenommen. Bei einem Besuch in Polen habe ich Orte des Grauens – Auschwitz-Birkenau und Maidanek gesehen – die Rampe auf der die Todgeweihten ankamen, Schaufenster mit Kinderschuhen, Kleidungsstücken und Menschenhaar. Das Vernichtungslager Maidanek ist so erhalten wie die Nazi es verlassen haben – auch das Krematorium mit der Asche der Ermordeten gibt es noch.

Ich bin jedoch nicht nach Bremen gekommen, um  über die Konzentrations- und Vernichtungslager zu sprechen. Ich weiß, dass junge Menschen Fragen haben und von mir Antworten erwarten. Ich werde versuchen, sie nicht zu enttäuschen.

Noch etwas Persönliches: Ich habe eine weitere Tochter, und wir sind inzwischen eine große Familie mit sechs Enkeln und sieben Urenkeln.“

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