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Ehrengast 2010: Otto Pollack

Diskussionen Ehrengast

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Ich möchte mich herzlich für die Einladung zur Nacht der Jugend bedanken.
1933 in Bremen geboren, bin ich in Kirchweyhe aufgewachsen, wo die Familie meiner Mutter seit Generationen zu Hause war.
Obwohl ich evangelisch-lutherisch getauft worden bin, galt ich seit 1935 nach den Nürnberger Rassegesetzen als „Volljude“, da ich Sohn eines Juden und einer „Halbjüdin“ war.
Auf meine Kindheit fiel der immer stärker werdende Schatten des Antisemitismus. Ich durfte in Kirchweyhe keine allgemeinbildende Schule besuchen und musste mit sechs Jahren auf die „Judenschule“ in Bremen gehen. Seit 1941 musste ich den „Judenstern“ tragen. Auf dem Schulweg nach Bremen war ich bösartigen Beschimpfungen und brutalen Angriffen ausgesetzt. Durch den energischen Einsatz meiner (nicht-jüdischen) Großmutter und auch aufgrund der Unterstützung durch unseren Hausarzt bin ich zweimal einer Deportation in den Tod entgangen. Die jüdische Religionsschule in der Kohlhökerstraße wurde aufgelöst. Alle Schüler sind ermordet worden. Ich war der einzige Überlebende.
Mein Vater – meine Eltern hatten sich inzwischen getrennt – dessen Mutter und die meisten Mitglieder der Familie Polak wurden in Minsk ermordet. Meine Mutter starb 1942, gerade 30 Jahre alt,  an einer Tuberkulose. Die antisemitischen Anfeindungen haben zu ihrem frühen Tod beigetragen. Meine Großmutter, Hilka Jacobsohn, war meine Bezugsperson und hat mir Halt gegeben.
Das Kriegsende war für mich eine persönliche Befreiung. Wie ich wiederholt erfahren musste, hörte der Antisemitismus nach 1945 jedoch leider nicht auf.
Ich bin verheiratet und lebe mit meiner Frau in Bremen. Wir haben einen Sohn.
Meine große Leidenschaft ist der Sport – früher Fußball und Judo, jetzt Badminton. Ich arbeite seit über 40 Jahren ehrenamtlich im Sportverein.
Ich bin Christ und mein Glaube hat mir damals wie heute großen Halt gegeben.

Durch die Gespräche mit der Herausgeberin meiner Biografie war es mir möglich geworden, über die schrecklichen Erlebnisse in meiner Kindheit während der Nazizeit zu sprechen. Vorher hatte ich lange Jahre das Furchtbare verdrängt. Seitdem habe ich viele Gespräche mit jungen Menschen geführt. Ich freue mich darüber, dies auch bei der Nacht der Jugend tun zu können.

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