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„Heimat Bremen“ – mit Bürgermeister Jens Böhrnsen, Flo Mega, David Safier, Özkan Yildirim, Marco Bode

Diskussionen

19:45 Uhr – Kaminsaal

Heimat – was bedeutet das eigentlich? Man sagt, dass Heimat zu den wenigen Worten zählt, die kaum übersetzbar sind. Nur wenige Worte enthalten so viele unterschiedliche Themen. Ist Heimat ein Ort oder ein Gefühl oder ergibt sich Heimat vor allem aus der Beziehung zu anderen Menschen? Heimat kann etwas  Materielles sein oder etwas Ideelles, eine bestimmte Speise, ein Landstrich oder ein ganz besonderer Geruch. Heimat ist oft ein Lebensgefühl. Es ist die Familie, der Freundeskreis, das Milieu. Für nicht wenige ist es der Glaube. Oft ist es die Sprache. Bücher und Musik können Heimat sein, auch das Internet.
Heimat ist ein gefühlsstarkes Wort. In ihm steckt der Wunsch nach Geborgenheit und Vertrautheit. Heimat ist der Ort, den wir kennen, an dem wir uns angenommen fühlen, an dem wir zu Hause sind.

Dieses emotional aufgeladene Wort kann leicht missbraucht werden. Die Nazis haben es so benutzt und beschmutzt, das es lange unbrauchbar erschien. Den Deutschen, vor allem vielen Intellektuellen, Künstlern, Schriftstellern, Malern, Filmemachern, Unternehmern, Politikern, die zwischen 1933 und 1945 aus Deutschland verjagt wurden, hat man das Wort Heimat nicht gegönnt. Sie wurden ins Exil geschickt. Die Deutschen dagegen, die nach Ende des Krieges aus ihrer Heimat vertrieben worden, als Folge des deutschen Eroberungs- und Vernichtungskrieges, galten als Heimatvertriebene. Sie bekamen ein eigenes Ministerium. Und sie sind bis heute gut organisiert. Die anderen Deutschen, die von den Nazis aus ihrer Heimat verjagt wurden, hatten kaum Fürsprecher. Für den Aufbau der Bundesrepublik waren alte Nazis unentbehrlich. Der erste Bundeskanzler sprach von „Leuten, die von früher etwas verstehen.“ Er meinte damit leider nicht die Lebenserfahrung der ins Exil gejagten Wissenschaftler, Künstler, Unternehmer, Politiker, Handwerker, Juristen. Diese blieben nach dem Krieg unerwünscht.

In unserer globalisierten Welt, die durch die digitale Revolution überschaubarer und doch unübersichtlicher geworden ist, wächst die Sehnsucht nach Beheimatung,   nach Ruhe und Sicherheit. Und noch viel dringlicher stellt sich die Frage nach Heimat den vielen, die zu uns geflüchtet sind und vor Jahrzehnten oder erst jetzt ihre Heimat verlassen mussten, weil diese keine Heimat mehr für sie war. Nun leben Sie hier und sind oft noch nicht heimisch geworden.

Der Philosoph Ernst Bloch hat den Begriff Heimat in die Zukunft verlegt. Seinen Traum und seine Hoffnung sind, dass in der Welt etwas entsteht, „das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ Heimat wird    so zu einem Ort der Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, in dem man  in Berührung kommt mit dem, was einem in der Kindheit Zuversicht und Hoffnung geschenkt hat. Heimat ist deshalb auch etwas, das von uns geschaffen werden kann.

Diskussionpartner: Bürgermeister Jens Böhrnsen, David Safier, Marco Bode, Özkan Yildirim

Safier_David_(C) Roman RaackeCopyright Roman Raacke

David Safier

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