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Grußwort zur Nacht der Jugend 2015

Ehrengast

Ehrengast 2015

Ich freue mich, dass ich als Ehrengast zur „Nacht der Jugend“ eingeladen worden bin und die Gelegenheit erhalte, vor jungen Leuten aus Bremen zu sprechen.

Mein Name ist Dr. Miriam Dvir und ich bin mit Ihrer Stadt durch meinen Vater verbunden, der 1923 in Deutschland geboren wurde und mit seiner Familie bis 1938 in Bremen gelebt hat. Er ist jetzt 92 Jahre alt und kann nicht selber kommen; deshalb stehe ich vor Ihnen, um seine Ge-schichte zu erzählen.

Mein Vater war 9 Jahre alt, als die Nazipartei unter Adolf Hitler an die Macht kam. Für die Ju-den begann damit eine furchtbare und gefährliche Zeit. Das Leben würde sich ändern, aber niemand konnte das Ungeheuerliche voraussehen, das über die Juden nur deshalb hereinbre-chen sollte, weil sie Juden waren. Warum? Diese Frage stelle ich mir bis heute, und ich hoffe, dass alle heute in Deutschland lebenden und ihrer politischen Verantwortung bewussten Men-schen sich diese Frage auch stellen.

Die Juden gehörten zur deutschen Gesellschaft. Sie sahen aus wie andere Deutsche; sie arbei-teten hart und trugen zur Entwicklung der Gesellschaft wie der Wirtschaft bei. Einige von ihnen waren berühmt: Schriftsteller wie Heine, Wissenschaftler wie Einstein und Musiker wie Men-delssohn-Bartholdy. War das ein ausreichender Grund dafür, 6 Millionen von uns, die über ganz Europa verstreut lebten, auszulöschen? War das ein ausreichender Grund dafür, meine Großeltern mütterlicher- wie väterlicherseits zu ermorden? War das ein ausreichender Grund dafür, meine Mutter in das furchtbare Vernichtungslager Auschwitz zu schicken? War das ein ausreichender Grund dafür, meine Tanten, Onkel, Urgroßeltern und viele andere Familienmit-glieder zu ermorden?

Mein Leben und das Leben meiner Schwester als Töchter von Überlebenden des Holocaust wurde von Schatten überlagert, die in unserem Haus stets gegenwärtig waren. Mein Vater und meine Mutter, die ihre Jugend, ihre Eltern und ihre Zukunft verloren hatten, konnten auch nicht einen Tag lang vergessen, was sie durchgemacht hatten.

Meine Schwester und ich wurden – wie viele andere – in Israel wegen der Bedeutung, die der Holocaust auch für unser Leben hatte, als „Holocaustüberlebende der zweiten Generation“ an-erkannt.

Nachdem ich dreißig Jahre lang junge Leute Ihres Alters als Lehrerin unterrichtet habe, möchte ich glauben, dass nach unserer Begegnung die bleibende Botschaft lautet: „Tu anderen nicht an, was andere dir nicht antun sollen.“

Da das Motto der „Nacht der Jugend“ in diesem Jahr „Welcome“ lautet, hoffe ich, dass unsere Begegnung Ihnen allen vermittelt, dass gegenseitiger Respekt und gegenseitiges Verständnis der Schlüssel zu einer besseren Welt sind und uns allen Vorteile bringen werden.

Dr. Miriam Dvir

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