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Anna Markova

Musik

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Meine Urgroßväter – ein deutscher und ein russischer – sind den leninistischen und stalinistischen Repressionen schuldlos zum Opfer gefallen. Meine deutschen Großeltern mussten viel leiden, weil sie als Deutsche in Russland vor und während des II. Weltkrieges unter Verdacht waren. Meine deutschstämmige Mutter wurde lange Zeit von ihren Verwandten verschmäht, weil sie nicht einen Russlanddeutschen, wie es die Tradition verlangte, sondern einen Russen, den vor allem meine Großeltern nicht wollten, geheiratet hatte – den Russen mit ukrainischen und georgischen Wurzeln. Da meine Eltern nicht nur materielle Schwierigkeiten, sondern auch den Widerstand der Verwandten überwinden mussten und sich sehr bedrängt fühlten, bin ich als unerwünschtes Kind zur Welt gekommen.

Als ich 2011 nach dem erfolgreichen Diplomabschluss meines Violinstudiums an der Hochschule für Künste Bremen als Deutschstämmige den Antrag auf Einbürgerung gestellt habe, wurde er von den deutschen Behörden abgelehnt mit der Begründung, dass ich, weil ich nach Deutschland als Studentin gekommen bin, kein Recht auf die deutsche Staatsangehörigkeit mehr habe. Also weiß ich sowohl aus der Geschichte meiner Familie wie auch aus meiner persönlichen Erfahrung viel zu gut, was das bedeutet, unwillkommen und ausgestoßen zu sein.

Ich kenne aber auch die andere Seite des Lebens. Sehr dankbar bin ich meinen Eltern dafür, dass sie – allen Schwierigkeiten zum Trotz – meine Neigung zur Musik früh genug erkannt und gefördert haben. Als ich 4 Jahre alt war, habe ich von meinem Vater meine erste Geige geschenkt bekommen. Meine Mutter hat mich in die Musikschule zu den besten Lehrern geschickt und mich auf meinem musikalischen Weg immer begleitet. Ohne das aufbauende Gefühl, geliebt zu werden, willkommen zu sein, hätte ich als Musikerin nicht viel erreichen können.

Als ich vor neun Jahren zur Fortsetzung meines Violinstudiums von Weißrussland nach Bremen kam, unerfahren und mittellos, lernte ich hier viele warmherzige, hilfsbereite Menschen kennen, die mir „Herzlich willkommen!“ gesagt haben – Worte, die glücklich machen! Nicht nur diejenigen, die sie hören, sondern auch diejenigen, die sie sagen. Die echte Willkommenskultur macht das Leben sinnreicher und würdevoller und Kriege, Hass, Rassismus und Gewalt unmöglich. Deshalb liegt mir das Motto „Welcome!“ der diesjährigen Nacht der Jugend so am Herzen, deshalb mache ich mit und sage mit meiner Musik: „Herzlich willkommen!“

Künstlerische Biografie unter www.annamarkova.de

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