„Solidarity now!“

Nächste Nacht der Jugend

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Zeitzeug*innen 2020

Yuval Dvir

Dieses Jahr wieder mit dabei - Yuval Dvir

 

Yuval Dvir ist der Gründer und Direktor der Givat Haviva International School, einer IB World School des Diploma Programmes. Er arbeitet und lehrt im Bereich interkultureller  und Friedensbeziehungen. Yuval ist ein Experte in gemeinsamer Jüdisch-Arabischer Bildung in Israel. Er hat einen M.A. in Educational Leadership and Administration, einen M.Mus. in Musical Performance und promoviert am University College am Institute of Education in London. 

Yuval's Großvater, Martin Bialystok starb im letzten Jahr mit 96 Jahren in Israel. Martin's Eltern und Schwester flüchteten während des Holocaust, trotz seiner Flucht aus Nazideutschland konnte er seine Familie zusammen mit Rachel Bialystok, die 2013 starb, in Israel gründen. Martin und Rachel haben zwei Töchter, sechs Enkel und 13 Großenkelkinder. 

 

Yuval Dvir wird bei der Nacht der Jugend zwei Beiträge vortragen:

"Wie sind wir solidarisch mit unseren Erinnerungen?"

"Wie können wir in Solidarität Zukunft gestalten"

Inge Berger, wie sie heute heißt, wächst als Verfolgte in Bremen auf. 1942 wird die Jüdin von den Nationalsozialisten mit ihrer Familie ins KZ geschickt. Doch schon davor hat sie keine einfache Zeit. Die heute 95-Jährige ist eine der letzten Bremer Holocaustüberlebenden. Weil sie nach dem Krieg nicht mehr in dem Land leben wollte, wanderte sie 1955 nach New York aus.

1924 wurde die Tochter des jüdischen Geschäftsmannes Carl Katz in Bremen geboren und überlebte das Konzentrationslager Theresienstadt. Sie war acht Jahre alt, als Hitler die Macht ergriff. In der Schule war Katz plötzlich ein Mensch zweiter Klasse. Von einem Tag auf den anderen mussten sie und ihre Cousine Ruthie an der Schule an der Delmestraße in der letzten Reihe sitzen. Die Klassenfahrt wurde ihnen gestrichen, weil Juden der Aufenthalt in der Jugendherberge nicht mehr erlaubt war. Und dann war da noch der Schuldirektor. „Er war ein Nazi. Wir hatten ihn in Geschichte. Er kam jedes Mal in Uniform und hatte immer etwas gegen die Juden zu sagen. Am Ende der Stunde sagte er stets: Das bezieht sich natürlich gar nicht auf Ruthie und Inge“, erzählte Katz über 80 Jahre später.

Inge Katz
Giano Weiß

Giano Weiß (20), selbst Sinto aus Paderborn, setzt sich seit zwei Jahren für eine Würdigung der Opfer, zu denen zahlreiche Mitglieder seiner Familie gehörten, ein. Er hat sich jüngst selbst auf die Suche gemacht nach Dokumenten. Weiß: "Es gibt nämlich immer wieder neue Hinweise, denen man nachgehen kann, auch wenn es zuletzt seitens der Stadt hieß, es sei nicht viel Neues zu erwarten, weil viele Dokumente am Ende des Krieges verbrannt seien."

Auf dem Waller Friedhof befinden sich mindestens drei Gräber, die an die NS-Verfolgung der Sinti und Roma erinnern. Eines davon ist das der Familie Anton Schmidt. Auf dem Grabstein, der zwischen 1976 und 1982 errichtet wurde, wird an die Ermordung von 40 Angehörigen der Bremer Sinti-Familie Schmidt während der NS-Zeit erinnert.

Im März 2019 stellte der Historiker Dr. Hans Hesse seine Forschungsergebnisse zu diesem Grab im Kulturhaus Walle vor. So lernte er den 20-jährigen Enkel Anton Schmidts, Giano Weiß kennen, der in seiner Heimatstadt Paderborn bereits eine Gedenkinitiative initiiert hatte. In diesem Jahr wird Giano Weiß davon berichten, wie er sich auf die Suche nach seiner Geschichte gemacht hat und wie wichtig Solidarität in Bezug auf Erinnerungskultur ist.

2019 haben erstmals Jugendliche aus Murat an der Nacht der Jugend teilgenommen:  Auf Einladung von Bürgerschaft und Senat besucht eine Gruppe von Jugendlichen aus der kleinen französischen Stadt Murat Bremen rund um den Pogrom-Gedenktag und die Nacht der Jugend. In dem kleinen Städtchen Murat wurden 1944 nahezu alle männlichen Bewohner im wehrfähigen Alter gefangengenommen und deportiert, als Rache für einen Anschlag des französischen Widerstandes gegen die deutschen Truppen. Über Clermont-Ferrand und Neuengamme wurden viele der gefangenen Jugendlichen und Männer zur Zwangsarbeit beim Bunker Valentin nach Bremen-Nord gebracht. Viele starben dort. Die wenigen, die zurückkehrten, brauchten lange, um von ihren schrecklichen Erlebnissen zu berichten. Damit diese Ereignisse nicht bloß Einträge in Geschichtsbüchern bleiben, müssen Jugendliche davon wissen, die Unmenschlichkeit verstehen und sich in ihrem Leben aktiv gegen das Aufkeimen von Ausgrenzung, Rassismus und Faschismus wenden. Für die Jugendlichen aus Murat sind die Schülerinnen und Schüler der Oberschule an der Lerchenstraße in Bremen-Nord mit ihrem Französisch-Profil und der Wohnortnähe zum Bunker Valentin ideale AustauschpartnerInnen und freundliche Gastfamilien (7.-14.11.). Über die persönliche Begegnung kann eine Brücke geschlagen werden – immerhin in der inzwischen 4. oder 5. Generation nach den Geschehnissen – zu Versöhnung, Freundschaft und gesellschaftspolitischer Wachsamkeit.

murat

 
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